Mittwoch, 29. Juli 2015

[T] mein vorerst letztes Lebenszeichen



Lange ist es her, dass ich was von mir hören lasse habe. Aber wie es doch meistens so ist, im Endeffekt verfliegt die Zeit unglaublich schnell, vor allem wenn man was um die Ohren hat, unterwegs ist oder wer weiß nicht was treibt!

So langsam beginnt auch bei mir die letzte Zeit... Gerade ist mein letzter Monat hier angebrochen.
Natürlich macht mich das sehr traurig, ich habe hier viel und viele gefunden, das und die mich glücklich macht und machen. Aber anderseits versuche ich mir auch ins Gedächtnis zu rufen, wer mich in Deutschland erwartet und welche neuen Möglichkeiten dort auf mich zukommen. 

Dies wird wohl mein letzter Beitrag sein (es sei denn eine riesige Welle der Langeweile und des Mitteilungsbedürfnis überkommt mich in den nächsten 30 Tagen ;) ), zumindest aus Nicaragua. Ich muss sagen, dass mit jedem Monat, das Gefühl, dass ich etwas schreiben sollte, kleiner geworden ist. Das habe ich schon in einigen Rundbriefen erwähnt, dass für mich so vieles alltäglich und normal geworden ist. Gerade habe ich nach zweiwöchigem Besuch meiner Mutter und Michael, die beiden wieder gen Deutschland geschickt. In der gemeinsamen Zeit – die sehr schön war! – habe ich aber auch gespürt, dass sich vieles verändert hat, am meisten meine Perspektive bezüglich einiger Gesichtspunkte.
 Das hier zu erklären und auszulegen, wäre erstens wohl viel zu langweilig für euch zum Lesen, zweitens könnte ich mich wahrscheinlich gar nicht so gut ausdrücken, wie ich etwas genau meine und drittens gibt es ja auch schon bald genug Zeit, um sich im Gespräch über solch wichtige Themen wie Kulturunterschiede, Veränderungen, Politik und was noch so alles diskutiert werden will, auszutauschen.

Deswegen gibt es an dieser Stelle nochmal einen kleinen Reisebericht und ein paar Fotos, denn die letzten drei Wochen durfte ich im Urlaub verbringen.


Zunächst ging es Anfang Juli zusammen mit Reyna ins Propellerflugzeug auf die andere Meerseite Nicaraguas. Ein paar Tage haben wir auf zwei hübschen, nicaraguanischen Inseln in der Karibik verbracht, die obwohl nicaraguanisch, für mich noch ein ganz anderer Eindruck vom Land gegeben haben. Nicht nur für mich war es das erste Mal, auch Reyna war dort noch nie und es hat ihr ähnlich gut gefallen wie mir.  Traumhafte und soo leere Strände, leckerstes pan de coco, eine Achterbahnfahrt im kleinen Boot und vieles Me(e)hr haben ihren Teil zur Entspannung und unserer guten Laune beigetragen, sodass wir am Ende gerne noch länger geblieben wären!

Willkommen im nicaraguanischen Paradies!

 

Korallenriff etwa 30 Meter vor "unserem" Strand
Abendstimmuung auf der kleinen Insel   

Aber eigentlich war dieser Teil meines Urlaubs so gar nicht geplant, wollte ich doch eigentlich mit Felix, einem Freiwilligen aus Matagalpa, für eine Woche nach Bosawas – ein riesiges Naturschutzgebiet im Norden des Landes – fahren, dort wandern und im Regenwald campen. Da kam uns bzw. Felix eine Mücke dazwischen…
Denn es gibt eine Krankheit, die sich immer weiter ausbreitet, ähnlich dem Denguefieber verläuft und Chikungunya heißt. Wenige Tage bevor wir loswollten, wurde Felix also krank und ich habe meine Pläne kurzfristig umgeworfen und bin mit Reyna los.

Da es aber gut eine Woche später deutlich besser ging, sind wir dann noch los, zwar nicht so weit rein in das Reservat wie geplant, dafür zu einem Zentrum, das sich für Umwelterziehung, die Unterstützung indigener Völker und vieles mehr einsetzt. Dort haben wir zwei Nächte verbracht, sind auf Felsen hochgelaufen und geklettert und haben das leckere Essen mit viel selbstgebackenem Brot (so lange hatte ich kein dunkleres Brot mehr gegessen!!!) und Honig genossen. Nur einen Haken hatte die ganze Sache: Ich fande es wirklich kalt! 18 Grad mag für Deutschland vielleicht nicht so wenig sein, aber man gewöhnt sich eben doch an die täglichen gut 30 Grad hier in Managua.
Nach der ersten Urlaubswoche bin ich aber auch schon wieder zurück nach Managua, denn es kam Besuch aus Deutschland, den es zu begrüßen galt. Meine Mutter hatte sich dazu entschieden, mich besuchen zu kommen, „mein“ Nicaragua kennenzulernen und mit ihrem Lebensgefährten Michael und mir durchs Land zu fahren.
Granada, Solentiname, Rio San Juan, Matagalpa und schließlich Jinotega standen auf unserem Reiseplan und trotz relativ vieler Kilometer, die zwischen den Reisezielen standen, haben wir alles gut geschafft, die beiden haben die Busfahrten mit allem was dazugehört überlebt und vor allem viel gesehen und viele nette und offene Leute kennengelernt und wiedergesehen.
Hier sagen sicherlich die Fotos mehr aus als viele Wörter, die ich dazu schreiben könnte. Nur eins, mein Eindruck, dass der Rio San Juan im Süden des Landes, vielleicht mein Lieblingsort in Nicaragua ist, hat sich arg verstärkt!
Vogelperspektive über Granada

Idylle auf Solentiname im Nicaraguasee 
 


Blick über den Rio San Juan vom Castillo aus
 
wie praktisch, wenn die anderen rudern und mir Zeit zum Foto machen bleibt
das Faultier bequemt sich sogar zu uns runter zu schauen!!
ein paar der Tiervielfalt, die wir im und um den Rio San Juan entdecken konnten...



Eine der vielen Kaffeefarmen in der Nähe von Jinotega - der Kaffee wurde übrigens von Deutschen nach Nicaragua gebracht


Nach der gemeinsamen Zeit habe ich die beiden wieder ins Flugzeug steigen lassen, bin jetzt wieder an meinem Platz hier in der Bibliothek, mit dem Team, den Kindern und zwischen den vielen Büchern.
 Kurz vor Wiederbeginn meiner Arbeit war ich ehrlich gesagt nicht mehr ganz so motiviert, dachte mir, dass jetzt ja sowieso nicht mehr viel Zeit bleibt, ich vielleicht vor Ende der Zeit gar nicht mehr richtig reinkomme. Aber das hat sich schon nach einem Arbeitstag erledigt, die Mitarbeiter und die Kinder haben mich herzlich empfangen und ich fühl mich genauso wohl wie vorher.
In diesem Sinne bleibt mir glaube ich nicht mehr allzu viel hinzuzufügen, jetzt versuche ich die letzten Wochen zu genießen, viele Leute möglichst oft noch zu treffen, meine Deutschkurse abzuschließen und die Leute zu motivieren auch im nächsten Jahr weiterzumachen, mit den Kids noch ein bisschen Fußball zu spielen, nochmal ans Meer zu fahren, um Schildkrötennester und kleine Schildkröten zu sehen, tanzen gehen (denn die Nicas tanzen wirklich ziemlich gut – Hüftschwung haben sie auf jeden Fall drauf!) und soo vieles mehr..
Und am Schluss möchte ich mich noch einmal ganz herzlich für eure Unterstützung (in jeglicher Hinsicht) bedanken! An die treuen Leser und Leserinnen, die mir immer wieder sehr liebevolle Mails geschrieben haben und die, die an mich gedacht und mich nicht (ganz) vergessen haben in den vielen Monaten. Seid euch sicher, auch ich habe immer wieder an euch gedacht, auch mal vermisst und niemals (ganz) vergessen ;)

Donnerstag, 7. Mai 2015

[T] Agua

Tagelang, wochenlang, sogar monatelang gibt es in Nicaragua strahlend blauen Himmel zu bewundern. Ein Traum - nicht wahr?
Man kann die Sonnenstrahlen geniessen, braucht keine Jacke anziehen und sich auch keine Sorgen machen, dass man später am Tag vielleicht doch noch eine braucht, um sich nicht zu erkälten, ein lecker erfrischendes Eis ist immer gern gesehen, man wird braun und hat Sommer- und Urlaubsfeeling oben drauf.


Dienstag, 28. April 2015

[R] Moskito & Tod



[R] Moskito & Tod


Moskitos werden in Nicaragua nicht nur wegen der juckenden Stiche bekämpft, sondern weil sie gefährliche Krankheiten übertragen.
Das Denguefieber ist seit jeher eine gefürchtete Krankheit, die starkes Fieber mit sich bringt und gerade für Kinder lebensgefährlich sein kann, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird.



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Donnerstag, 23. April 2015

[R] Rio San Juan


  [R] Rio San Juan


Tatsächlich kann ich mich Tabeas begeisterten Beitrag nur anschliessen, keine grossen Worte nötig, die Fotos meiner Reise nach Rio San Juan möchte ich euch trotzdem nicht vorenthalten.

Es begann mit der 16-Stunden-Überfahrt über den grossen Nicaraguasee...


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Mittwoch, 15. April 2015

 [T] Während es für mich schon so sehr Alltag geworden ist, habe ich trotzdem noch gar keinen Bericht über die deutsch-nicaraguanische Bibliothek, den Bücherbus und meine Arbeit im Projekt geschrieben. Das wird nach knapp acht Monaten jetzt mal endlich Zeit, denn das ist es alle mal wert!


Der Startschuss für das Projekt fand im Jahre 1987 statt – mit der ersten Ausfahrt des Bücherbus – ins Leben gerufen von Elisabeth Zilz, eine damals bereits pensionierte, deutsche Bibliothekarin. Erst ein paar Jahre später wurde dann die dt.-nic. Bibliothek gegründet, die seit 2001 im eigenen Gebäude im Stadtviertel Linda Vista zu finden ist. Fast 30 Jahre gibt es nun das Institut, beruhend auf der Kraft, Motivation und dem Anspruch Elisabeth Zilz, vielen Nicaraguanern den Zugang zu Büchern zu ermöglichen und ihr Interesse an all dem zu wecken, was in den Seiten, Wörtern und Buchstaben steckt. Vielen Nicaraguanern ist ihre energische Art und sie selbst als Person noch stark in Erinnerung, natürlich besonders die meisten Bibliotheksmitarbeiter erzählen und denken gern über die gemeinsame Zeit nach. Sie wollen ihre Arbeit, ihr Projekt weiterführen, weiterentwickeln und vor allem dafür sorgen, dass es nicht irgendwann ausstierbt.
Eigentlich sind es zwei Dinge: der Bücherbus und die Bibliothek, aber beides vereint durch ein Team, dass hier in Managua hauptsächlich aus Nicas besteht – aber man darf niemals ausser Acht lassen, wer und was noch alles dahinter steht, wie viele helfende Hände es gibt, ohne die es sicherlich nie so gross hätte werden können!
Der Bücherbus fährt zweimal die Woche zu festen Terminen in Schulen und Gefängnisse – zwei davon Frauengefängnisse. Jede Schule bzw. Jedes Gefängnis wird einmal im Monat angefahren, dort werden zunächst die vom letzten Mal ausgeliehenen Bücher eingesammelt, bevor jeder sich erneut Bücher aussuchen kann, die er im nächsten Monat lesen möchte. In die Schulen bringen wir bei jedem Besuch eine kleine Aktivität oder etwas besonderes mit, dass die Kinder zum Lesen und zum Entdecken von Literatur (Märchen, Geschichten, Gedichten, etc.) animieren soll.
Hier in die Bibliothek kommen täglich viele grosse und kleine Leser, morgens eher ältere Damen und Herren, die die Zeitung lesen oder spannende Bücher lesen und die Ruhe geniessen und nach der Mittagspause ab halb zwei steigt der Geräuschepegel, Schulkinder machen ihre Hausaufgaben – mit Hilfe eines (Schul-)Buches und falls dort das Gesuchte nicht auffindbar ist, wird einer der zwei Computer genutzt – die kleineren gehen in den Kindersaal, lesen dort, spielen, malen oder nehmen an geleiteten Aktivitäten teil, die auf die Leseförderung abzielen.

Und all dies bunte Treiben darf ich hier miterleben und noch viel besser – ich bin Teil davon, Teil des Teams und Teil dieses schönen Projekts. Ich fahre mit dem Bücherbus, helfe Arianna, der Bücherbusverantwortlichen bei den Besuchen in den ländlichen Schulen - deren Schüler ohne den Bücherbus keine Bücher in den Händen halten könnten – bei der Ausleihe, beim Wiedereinsammeln, bei kleinen Theaterstücken oder sonstigen mitgebrachten Aktivitäten und auch beim Vor- und Nachbereiten der Fahrten, denn die Bücher suchen sich nicht selbst aus und kommen auch nicht von alleine aus ihrer Heimat, der Bibliothek, in den Bücherbus gesprungen.
Den Rest der Woche arbeite ich in der Bibliothek, gebe vier Gruppen für jeweils zwei Stunden Deutschunterricht, helfe Vanessa im Kindersaal und fahre mit ihr einmal die Woche zu fünf Schulen in Managua, um dort den Kindern Geschichten, dramatisierte Erzählungen oder Ähnliches mitzubringen, helfe bei der Bücherausleihe im Sala General und arbeite mit dem Verein PanyArte e.V. zusammen, die in Münster sitzen und seit 2009 die Trägerschaft des Projekts inne hat.

Seit Beginn meines Auslandsjahres fühle ich mich vom Team mit offenen Armen aufgenommen und in meiner Arbeit ernst genommen. Klar war mein Spanisch am Anfang deutlich schlechter als jetzt, und ich weiss, dass ich allein dadurch dem ein oder anderen mal Nerven und/ oder Geduld gekostet und abverlangt habe. Aber gleichzeitig weiss ich auch, dass der Freiwilligendienst von beiden Seiten positiv aufgenommen wird, denn schliesslich profitieren beide Seiten davon. Der interkulturelle Austausch ist für mich selbst höchstwahrscheinlich noch stärker, einfach weil ich ein Jahr lang mein Leben an einem ganz anderen Ort, mit anderen Leuten und einer anderen Kultur verbringen darf und meinen Horizont enorm erweitern kann. Ehrlich gesagt hätte ich das in diesem Maße vorher nicht erwartet und bin derweil überzeugt davon, dass es möglichst vielen jungen Leuten ermöglicht werden sollte, ähnliche Erfahrungen machen zu können. Leider hängt das ganze aber auch mit Kosten zusammen, die bei weitem nicht jeder tragen kann. Zwar wird der IJFD auch vom Staat unterstützt, dennoch bleibt ein Teil übrig. Daher soll jeder Freiwillige einen Spenderkreis aufbauen, der durch kleinere und grössere Spenden an die Entsendeorganisation – in meinem Fall der Soziale Friedensdienst Kassel e.V. - die entstehenden Kosten von Versicherung, Unterstützung für Miet- und Verpflegungskosten des jeweiligen Freiwilligen weitesgehend abdeckt. Viele von euch haben bereits gespendet und mir dadurch einen riesen Gefallen getan! Leider fehlt immer noch ein Teil der insgesamt 3000 Euro, auf die der SFD angewiesen ist, um auch in den nachfolgenden Jahren Freiwilligendienste weltweit anbieten zu können – es sind über 25 Stellen, die jedes Jahr auf rege Nachfrage stossen.
Ich möchte mich ganz herzlich für jegliche Unterstützung bedanken, die ich von eurer Seite in Form von Spenden, aber auch auf emotionaler Ebene bekommen habe!! Die vielen lieben Worte vor meiner Abreise, während meiner Zeit hier, das ein oder andere Päckchen und Post aus der Heimat, über jede einzelne Nachricht freue ich mich riesig und sie lässt mich stärker werden, auch wenn ich mich immer ein bisschen mehr freue, euch und die Heimat in ein para Monaten wiederzusehen!
Damit der SFD nicht auf meinen Kosten sitzen bleibt und “minus” mit mir als Freiwillige macht, möchte ich euch ganz herzlich darum bitten, mich in dieser Form zu unterstützen und mir helfen, die Lücke bis zu meinen 3000 Euro zu füllen. Über jede weitere kleine Hilfe auf das untenstehende Spenderkonto würde ich mich sehr freuen!

Für mich beginnen bald meine letzten vier Monate in Nicaragua, in Managua und vor allem in der Bibliothek und mit dem Bücherbus, mit all den Tausenden Büchern, den Kindern, meinen Schülern und all dem, was noch dazu gehört. Ich hoffe, dass ich noch vieles von dem realisieren kann, was so in meinem Kopf herumschwirrt und wir uns danach glücklich und gesund wiedersehen!
Eure Tabea

Evangelische Kreditgenossenschaft Kassel
Bankleitzahl: 520 604 10
Kontonummer: 100 00 44 64
BIC: GENODEF1EK1
IBAN: DE28 5206 0410 0100 004464
Verwendungszweck: "Spende für den sfd Tabea Klaes"

Dienstag, 7. April 2015

[R] Cañon de Somoto



Schon etwas länger her und eine Erinnerung Wert: Meine Reise an den Cañon de Somoto.



Am äussersten Ende der nicaraguanischen Bergregion im Norden des Landes, direkt an der Grenze zu Honduras liegt der „Cañon de Somoto“.




Nach stundenlanger Fahrt mit Bus (von Granada aus mehr als 9 Stunden), und wo es keinen gab, mit dem Taxi, gelangten wir über die Bergstadt Estelí nach Somoto, ein friedliches kleines Dörfchen, die letzte nennenswerte Siedlung vor der Grenze zu Honduras.


Mein Eindruck von der Region: Was man mir erzählt hatte, stimmte: Es gibt sehr leckeres Maisgebäck („rosquillas“), die Landschaft ist völlig anders als an der Pazifikküste, es gibt wirklich einige Männer die im Cowboyoutfit umherlaufen, und es ist erstaunlich kühl. Was mich dazu brachte, mir in Somoto ein SecondhandLangarmshirt für nen halben Dollar zu kaufen.

Die Wanderung in den Canyon war wirklich ein kleines Abenteuer... plötzlich öffnet sich vor einem eine 18 Meter hohe Schlucht und man schwimmt und klettert abwechselnd durch den Fluss Rio Coco immer weiter hinein... 





Wir kletterten sogar eine 7 Meter hohe Felswand hoch, um von dort aus in den Fluss zu springen, was nicht nicht wegen der recht kalten Temperatur des Wassers Überwindung kostete, sondern weil man auch fürchtete beim Sprung an den Felsvorsprüngen zu zerschellen.



Ironischerweise gab es sogar einen Unfall bei unserem kleinen Abenteuer, jedoch nicht in der Wildnis des Canyons, sondern bei unserem Rückweg, als die Freundin meiner Schwester in einem Strassenloch umknickte - wenige Schritte vor dem Haus in dem wir unsere Sachen gelagert hatten. Glücklicherweise wusste unser Begleiter, ein sehr lustiger ehemaliger nicaraguanischer US-EliteSoldat ihren Fuss zu behandeln.

Borröse Abendstimmung:
 

Donnerstag, 19. März 2015

[T] Reisewoche mit der Schwester

"Warum denn ausgerechnet Nicaragua?"

Das ist ein Kommentar von vor gut einem halben Jahr, das mir noch gut in Erinnerung geblieben ist. Eine Reaktion auf mein Vorhaben, mein Freiwilligenjahr in Nicaragua zu verbringen.
Damals war meine Antwort bzw. einfache Gegenfrage: Warum auch nicht?
Ich glaube, inzwischen würde ich etwas anders und länger wenn nicht sogar ausschweifend antworten. Denn es gibt hier nicht nur schönes, warmes Wetter mit viel Sonne, die die Laune stets erhellt (auch wenn´s ohne das alltägliche Schwitzen vielleicht noch ein klein bisschen angenehmer wäre ;) ), leckeres Essen, für mich das ein oder andere interessante Buch, viele liebenswerte Menschen, auch landschaftlich hat das Land der tausend Vukane und Seen einiges zu bieten!!

Und da meine Schwester vor einigen Tagen hier in Managua angekommen ist, sah ich es als angemessenen Anlass, raus aus Managua und zumindest ein paar weitere Facetten des Landes kennenzulernen.
Dazu muss ich sagen, dass wir nur eine Woche unterwegs waren und so trotz allem einen recht kleinen Part kennengelernt haben - und das obwohl Nicaragua flächenmässig mit etwa 130.000 km² doch als klein gilt- im Vergleich: Deutschland mit über 350.000 km² fast doppelt so gross. Unterschiedliche Klimazonen, viele für uns Deutschen exotischen Tiere, Handwerksarbeiten und vieles mehr laden doch zum Reisen ein - nicht ohne Grund wurde Nicaragua von Lonely Planet auf Platz vier der besten Reiseländer für 2015 gewählt. Also so viel zum Thema warum ausgerechnet nach Nicaragua...

Auf unserer Reise zum Río San Juan und danach mit einem kurzen Abstecher auf die Vulkaninsel Ometepe sind viiele Bilder entstanden, die geben hoffentlich einen recht lebendigen Eindruck von den Tagen. Und ich muss euch vorwarnen, der Bericht ist ziemlich lang geworden, aber mal schauen, wer´s bis zum Schluss durchhält ;)

Mittwoch, 11. März 2015

[R] Textilindustrie/ Shirt-Gestaltungs-Workshop

[R] Textilindustrie / Shirt-Gestaltungs-Workshop


Seit 2 Wochen sind 3 Studentinnen aus Köln hier und setzen in 3 Zentren mit nicaraguanischen Jugendlichen ein Workshop zum kreativen Neugestalten von alter Kleidung um.



Das Projekt, das sie im Rahmen ihres Studiums machen, beinhaltet einen Part in Deutschland, wo sie mit 15-jährigen Schülerinnen Themen der globalisierten Kleidungsproduktion erarbeiten und sie für Nachhaltigkeit sensibilisieren.



Das vielseitige Projekt stellen die jungen Damen auf ihrem Blog vor. Wenn ihr Lust habt könnt ihr ja mal darin stöbern, es ist mit zahlreichen netten Fotos ansprechend gestaltet.


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Das Thema - Kleidungsproduktion, Textilindustrie - ist tatsächlich eines der interessantesten Themen die es hinsichtlich Probleme, Phänomene und Perversionen des globalisierten Kapitalismus gibt.
Auf der einen Seite die "erste Welt", die der Kleidung eine ausserordentliche, identitätsspendende Bedeutung beimisst und in der die Menschen in ihrem Individualismus bereit sind ein Vermögen für eine Hose, also ein Stück Stoff, auszugeben - auf der anderen Seite...na ihr wisst schon...erhalten die Näherinnen einen Dollar pro genähte Hose.

Hier in Nicaragua existieren zahlreiche Freihandelszonen, in denen in Fabriken Kleidung durch ausländische Konzerne produziert werden und in die USA exportiert werden.
Sie entstanden in den Regierungsjahren der heutigen Opposition, als der Neoliberalismus und somit die Freihandelsverträge herrschten. Für sie spricht: Sie schaffen Arbeitsplätze.



Aber: Die ArbeiterInnen verdienen im Monat je nach Auftragslage unterschiedlich viel, jedoch niemals mehr als 100 Dollar. Das ist auch für nicaraguanische Verhältnisse nicht viel. Der gesetzliche Mindestlohn liegt bei etwa 80 Dollar. Sie arbeiten oft im Akkord, ohne gesicherten Arbeitsplatz, ohne Sozialversicherungen.

Manch einer mag für den geringen Lohn und die miesen Arbeitsverhältnisse auch die nicaraguanische Regierung oder die Nicaraguaner selbst verantwortlichen machen, da sie nicht mehr Rechte einfordern oder misswirtschaften. Doch meiner Meinung nach liegt die Verantwortung für diese Verhältnisse gänzlich in der Ersten Welt, die ärmeren Staaten sind völlig abhängig von ihnen.

Es ist also wichtig in den reichen Ländern Bewusstsein zu schaffen, und wenn man schon nicht Konsumwahn, Oberflächlichkeit und Materialismus überwinden kann, dann vielleicht doch ein bisschen nachhaltiger und bewusster einkaufen...
Denn theoretisch könnte man, indem jeder sich entschiede, für seine Kleidung 81 statt 80 Euro auszugeben, eine unendliche Tragödie beenden, denn mit diesem einen zusätzlichen Euro verdoppelt sich der Lohn des Arbeiters und er entkommt der extremen, also existenzbedrohenden Armut.
1 zu 80. Eins zu Achtzig. Etwa diese Ausmasse haben die globalen Reichtumsverhältnisse.

Donnerstag, 19. Februar 2015

Musik? Oder Sattsein?

Warum sollte man für Musikunterricht spenden, wenn woanders Hungersnöte herrschen?

¿Por qué donar dinero para clases de música, mientras que otras personas sufren de hambre? El texto en español aqui.


Es fällt leicht, in Fällen von Katastrophen oder Hungersnöten zu spenden. Medien berichten über das grosse Leid, und die Gesellschaft reagiert und hilft.

Was ist das Negative daran? Es ist weder langanhaltend noch nachhaltig. Erinnern wir uns an das verheerende Erdbeben in Haiti 2010, dem mehrere Hunderttausend Menschen zum Opfer fielen. Die ganze Welt schaute auf den kleinen bitterarmen Inselstaat, der beispielhaft für das ist, was man „failed state“ nennt. Eine Flut an Hilfslieferungen und Gelder in Millardenhöhe wurden nach Haiti gesendet. Bloss -  die miserable Lage in Haiti hat das nachhaltig nicht geändert. Die Hilfswerke wanderten weiter, zum Beispiel zur Erdbebenregion in Chile wenige Wochen später. Ebenso die Aufmerksamkeit der Medien. Die Bevölkerung leidet weiter, lebt weiterhin von der Hand im Mund und kann keinen gut funktionierenden Staat formen.

Ziel von Hilfsleistungen kann nicht nur sein, Leiden von Menschen kurzfristig beseitigen. Es klingt hart, aber in vielen Fällen verlängert man somit lediglich ihr Leiden. Ziel sollte hingegen sein, sie mit der Absicht aufzurichten, dass sie danach eigenständig aufrecht stehen können. Das erreicht man durch Ausbildung und wirtschaftliche Investitionen, beispielsweise in Produktionsgerät.
Man kann noch weiter gehen: Mit dem Ziel, die Menschen zu fördern, sie zu starken Personen zu machen, die Teile einer gut funktionierenden Gesellschaft formen. Das erreicht man am effektivsten durch ambitionierte Bildung und Erziehung im jungen Alter. Deswegen der Unterricht im kulturellen Bereich.

Donar dinero para Música? O comida?

¿Por qué donar dinero para clases de música, mientras que otras personas sufren de hambre?


Las donaciones de dinero se consiguen fácilmente cuando hay algún desastre natural, hambruna, etc. Los medios informan, y la gente reacciona y ayuda.

La desventaja es que este tipo de ayuda no es ni continua, ni sostenible. Recordémonos del terrible terremoto en Haití en el 2010, que causó cientos de miles de muertos. Todo el mundo miraba hacia aquella isla, ejemplo perfecto de un “failed state” (estado fracasado). Una gran ola de ayuda se derramó sobre Haití, tanto humanitaria como financiera, esta última por un valor de varios billones de dólares. Lamentablemente, a largo plazo esa ayuda no cambió nada de la situación miserable de Haití. Pronto las ONG se trasladaron a otro lugar, por ejemplo a Chile, donde pocas semanas después grandes regiones fueron devastadas por un terremoto. Lo mismo pasó con la atención de los medios. Para mientras, la población sigue sufriendo, vive de la mano a la boca y no logra formar un Estado funcional.

Por eso pienso que las ayudas no deberían buscar solamente como aliviar por un momento el sufrimiento de la gente. Suena duro, pero en muchos casos así simplemente se prolonga su sufrimiento. La ayuda debería buscar como levantar a la gente para luego quedarse ellos solos de pie. Eso se puede lograr a través de formación e inversiones económicas, por ejemplo en medios de producción.

Podemos ir hasta más allá: Planteando como meta formar a personas,  hacer personalidades fuertes que formen una sociedad más consciente. Eso se alcanza lo más eficazmente a través de una educación y formación ambicionada ya en una edad joven. Por eso la educación en la área cultural.

Februarwoche


Februarwoche

Einige Neuigkeiten und Aktivitaeten der vergangengen Woche.

Ich liebe Überraschungen. Und ganz besonders liebe ich die kleine Überraschung die mir Direktor Dieter letzten Mittwochmorgen an der Tür meines Büros übergab: Marlene. Meine neue Mitfreiwillige für den Rest meiner Zeit in Nicaragua. Ich freue mich sie hier zu haben und fühle mich sehr wohl mit ihr. Denn obwohl sie eine recht aktive und auch gesprächige Person ist und unglaublich viele Interessen hat, hat sie auch eine wohltuende entspannte Art. Super ist auch, dass sich für gesellschaftliche Themen interessiert. in Wien hat sie ihr erstes Semester Politikwissenschaft hinter sich gebracht.

Den Tag und auch den folgenden verbrachte mit meiner neuen Kollegin, zeigte ihr unsere Welt. Es traf es sich gut dass ich bereits mit drei lieben Freiwilligen aus einem anderen Projekt ausgemacht hatte dass ich ihnen die Casa zeige, so führte ich die Gruppe durch unseren wunderbaren Palast der Kultur. Da die Drei Mädels in den ärmlichen Aussenbezirken Unterricht geben, begannen wir gleich über die Realität der armen Bevölkerung dort zu diskutieren.

Am folgenden Tag räumten wir mit Stalin unser Büro aus, das wir für eine Woche an die Orga des Poesiefestivals übergeben. Nebenbei sortierte Marlene unseren Bücherschrank. Abends musste ich ein, zwei Stunden dem Informatiker zur Seite stehen, der die Bilschirminstallation unseres Inforaums programmiert, in das ich an diesem Abend umzog um mehrsprachig Besucher empfangen zu können. Auf den Bilschirmen werden Videos und Präsentationen ablaufen, die die Besucher über die Projekte der Casa de los Tres Mundos informieren. Da ich schon seit Wochen von den scheinbar unendlichen technischen Problemen dieses Infosraumes genervt bin, war ich abends froh endlich heimgehen zu können.

Mein feines neues Büro mit acht Bilschirmen:


Vor einigen Wochen hatte ich zufällig bemerkt dass in einem Haus, 50 Meter von meinem entfernt, einige Freiwillige wohnen, darunter einige supertolle Deutsche und Österreicherinnen, die leider allesamt bereits innerhalb weniger Wochen Nicaragua verlassen. Aber bis dahin habe ich ja noch Zeit um ihre Gesellschaft zu geniessen. So auch an diesem Abend...

Mittwoch, 18. Februar 2015

Essen


Essen

Das wohl wichtigste Gericht in Nicaragua ist “Gallo pinto”, ein Gericht bei dem rote Bohnen mit Reis vermengt werden. Bohnen und Reis sind die bedeutendsten Nahrungsmittel der Nicaraguaner. Sie weigern sich selbst dann, auf ihre roten Bohnen zu verzichten, wenn diese aufgrund von einer Preisexplosion das Dreifache der schwarzen Bohnen kosten, die praktisch genauso schmecken.

Fast jedes populäre Gericht wird mit Bohnen aber vor allem auch mit einer ordentlichen Portion Reis serviert, damit man auch garantiert satt wird, denn eben diese sind die Nahrungsmittel, die hier auch die Ärmsten der Ärmsten am leben halten. Es kursiert der Scherz, dass man morgens Reis mit Bohnen essen würde, mittags Gallo Pinto und abends Bohnenbrei mit Reis.
Auf dem folgenden Foto seht ihr ein typisches Mittagessen, Gerichte dieser Art nennt man „Comida Casera“ (hausgemachtes Essen) : Reis, Bohnen, ein klein wenig Salat, Hühnchen (da günstiger als Schwein oder Rind) und Tortilla oder alternativ „Platano“ (Kochbanane).



Tortilla, der bekannte Maisfladen, wird sehr häufig serviert, was mir etwas unverständlich ist, denn ich finde dass das köstlichste an ihr ihr Geruch ist wenn sie zubereitet wird. Je kälter sie ist, desto fader wird sie. Und sie wird schnell kalt...

Mittwoch, 4. Februar 2015

[T] Die Sommerferien sind vorbei!

Die Schulkinder Nicaraguas haben bzw. hatten mehrere Wochen Ferien, in etwa so wie bei uns die sechs Wochen Sommerferien und auch wenn Deutschland gerade im Winter steckt, hier hat der Sommer gerade angefangen!
In der Zeit war in der Bibliothek nicht so viel los, ein paar ältere Herrschaften kommen immer wieder zum Zeitungslesen vorbei und sind sich auch meist für ein kleines Pläuschchen nicht zu schade und auch ein paar treue Leser und Leserinnen kommen, um sich Bücher auszuleihen oder in der Bibliothek zu lesen.

Mittwoch, 14. Januar 2015

[R] Diskussion: Weisser Aufpreis


 [R] Diskussion: Weisser Aufpreis

 

Die Abmachung: Herr Taxifahrer fährt mich zu „International Sound“, wartet 5 Minuten während ich professionellen Mikrofone und die zwei dazugehörgen schweren Koffer abhole, und fährt mich zurück zur Busstation nach Granada. Preis, den er vorschlägt: 100 Cordoba, ein normaler Preis.

Am Ende der Fahrt hat alles gut funktioniert ---  nur der Fahrer fordert nach Erhalt der 100 Cordoba plötzlich 50 weitere, angeblich hätte er 20 Minuten statt 5 auf mich warten müssen, entweder ein Fall von klarer Lüge oder sehr desquilibriertem Zeitgefühl seinerseits, es waren allerhöchstens 10 Minuten.
Nun läuft in meinem Köpfchen eine Diskussion ab: