[R] El Capulín
Meine
Gastmutter nahm mich bereits zweimal nach „El Capulín“ mit, eine Ortschaft etwa
6 Kilometer ausserhalb Granadas. Ein Grossteil ihrer Familie lebt dort - ein
wirklich grosser Grossteil denn im Falle ihrer Familie kann man durchaus von
einem Clan sprechen, sie hat 11 Geschwister und 70 Neffen. Sie und ihre
Geschwister wuchsen alle im Capulín auf. Ihre Eltern hatten dort ein Haus auf
einem grossen Stück Land errichtet.
In
Nicaragua war und ist Land,
vor
allem in schwach besiedelten Gebieten, recht günstig zu haben. Dafür muss man
sich dann aber selbst um Wasser, Strom und Telefon sorgen. Letzteres ist noch das geringste Problem, denn hierzulande benutzt jeder ein Handy und lässt sich von den zwei Telefongesellschaften ausnehmen, die den Markt unter sich aufteilen. Festnetztelefone dienen, falls vorhanden, eher als Dekoration, denn von einer der Telefongesellschaften kann man sowieso nur auf Handys anrufen. Aber hier soll es nicht ums Telefonieren gehen.
Ein weiterer Nachteil des Lebens auf dem Landes ist, dass man erstmal
die Natur bändigen muss um es sich gemütlich einzurichten, aber hat man das
erstmal geschafft, liegen die Vorteile des Lebens auf dem Land auf der Hand:
Man kann sich einen schönen Garten zulegen, Gemüse und Früchte anpflanzen,
Tiere halten, die Kinder getrost draussen spielen lassen und das erträglichere
Klima geniessen, man lebt abseits von der Hitze, dem Trubel und dem Schmutz der
Städte.
Das Land wurde unter den Geschwistern aufgeteilt. Manche entschieden
sich zu bleiben, bauten ihr eigenes Haus und gründeten im Capulín ihre eigene
Familie. Andere gingen fort, mit der Gewissheit, im Capulín stets ein grosses
Stück Heimat zu finden. An Feiertagen oder Geburtstagen, Hochzeiten et cetera
kommt die Familie im Capulín zusammen und findet alles wie Jahre zuvor auf.
Ich selbst bin ganz entzückt von den „Haziendas“, die die Familie, die
sicherlich nicht zu den Superreichen zählt, sich mit Fleiss geschaffen hat. Man
lebt sehr gelassen und entspannt im Grünen, wenn man es gut anstellt, ist man
das ganze Jahr über mit leckeren Früchten versorgt.
Ein wenig schwierig stelle ich mir vor, wenn man täglich zur Arbeit oder
zur Schule fahren muss. Die Siedlung ist sehr weitläufig und die Strasse, wie
überall in Nicaragua abseits der grossen Städte und der Autobahnen, besteht
nicht aus Asphalt sondern aus Schlaglöchern. Es ist ein grosser Zeitaufwand, zu
laufen, und in der Regenzeit verwandelt sich die Strasse in Matsch. Doch
heutzutage besitzen dort die meisten Familien ein Auto oder man nutzt eine der
Dreirad-Motor-Rischkas, die als Taxis in den ländlichen Siedlungen dienen und
fährt bis zur Autobahn, wo die Busse einen mitnehmen. Von denen muss ich auch noch
unbedingt ein Foto hinzufügen.
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